Afrika neu denken: Namibia und Deutschland - Anatomie einer komplexen Beziehung

Datum: 16.10.2021
Uhrzeit: 10:00 - 16:00
Ort: Wagenhallen, Innerer Nordbahnhof 1, Stuttgart
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Unbemerkt von der großen Öffentlichkeit wurden zwischen 2011 und 2018 zwei Mal Schädel von Menschen aus Namibia, die in deutschen Museen und Forschungseinrichtungen lagerten, nach Namibia überführt. Es gibt noch viel mehr davon in ähnlichen Institutionen. Diese Rückgaben und die verbliebenen Schädel legen Zeugnis von einer brutalen deutschen Vergangenheit im Südwesten und in anderen Teilen des afrikanischen Kontinents ab, die ihre Schatten bis in die Gegenwart wirft, die aber die deutsche Gesellschaft nicht wahrhaben will.

Spätestens seit der halbherzigen Anerkennung des Deutschen Genozids an den Ovaherero und Nama durch die Bundesregierung sind die komplizierten Beziehungen zwischen Namibia und Deutschland zumindest wieder präsent in der öffentlichen Wahrnehmung. Dies bietet Gelegenheit, einen verschärften Blick auf Namibia zu werfen, um die Tragweite des Genozids und die Notwendigkeit von Reparationen und Rehabilitation besser einordnen zu können. Dafür will diese Tagung u.a. die Fragen aufgreifen, wo Namibia heute steht, wie der Genozid das Land prägt und wie die deutsch-namibischen Beziehungen exemplarisch für die europäisch-afrikanischen Beziehungen gelesen werden können. So gesehen ist diese Veranstaltung auch relevant für alle die Namibia ein Stück besser verstehen wollen, für die entwicklungspolitische Szene und für die Diaspora-Gruppen aus anderen afrikanischen Ländern, die im Kontext der Auseinandersetzungen um europäischen Kolonialismus, Rückgabe geraubter „Kunst-Werke“ aus Afrika und Reparationen um die eigene Rolle ringen. Die Regierung von Baden-Württemberg hat sich für eine Aufarbeitung der kolonialen Verbindungen des Landes ausgesprochen und diese auch durch die Rückgabe der von deutschen Truppen im Jahr 1893 erbeuteten Familienbibel und Peitsche des Nama-Anführers Hendrik Witbooi (1830 bis 1905) in ersten konkreten Schritten umgesetzt. Diese Schritte müssen fortgesetzt werden. Diese Veranstaltung, die im großen Kontext der „Restitution“ stattfindet, soll Anregung dazu geben.

Sie findet statt anlässlich der Ausstellung „Stolen Moments Namibian Music History Untold“, die von Oktober bis November in Stuttgart zu sehen sein wird.

Stolen Moments - Namibian Music History Untold ist eine erinnerungsarchäologische Spurensuche. Eine Rekonstruktion von Liedgut und von Musikgeschichte, die vom unmittelbaren Verschwinden bedroht ist. Eine Begegnung mit dem Namibia aus der Zeit vor der Unabhängigkeit. Eine Sammlung von Geschichten, deren Erzähler schon bald nicht mehr da sein werden, und eine große musikalische Wiederauferstehung all dessen, was verloren gegangen schien. Mehr zur Ausstellung unter: www.stolenmoments.info 

Während der Tagung besteht die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen.

Veranstaltende Organisationen

DEAB, KASA, Forum der Kulturen Stuttgart, Eine-Welt-Forum Mannheim, Interkulturelles Promotor*innen Programm BaWü

Anmeldung

https://urlz.fr/gxQG  

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