Fachgespräch „Auf Sand gebaut?“

Datum: 20.10.2020
Uhrzeit: 09:30 - 16:30
Ort: Online
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Sand ist nach Wasser die zweitwichtigste natürliche Ressource und der weltweit am meisten abgebaute Rohstoff. Aufgrund des Baubooms (v.a. China, Singapur, Vereinigten Arabischen Emirate) hat sich der globale Sand- und Kiesbedarf in den vergangenen 20 Jahren verdreifacht und auch wenn der Eindruck trügt: bereits jetzt ist Sand ein knappes Gut.

Immer größere Mengen Sand und Kies werden intensiv abgebaut. Es wird geschätzt, dass rund 10-15 Prozent illegal gefördert werden. In vielen Ländern mit schwachen staatlichen Strukturen wird Sand unter prekären Arbeitsbedingungen hergestellt, abgebaut und gestohlen. Sandstrände und Sandvorkommen müssen polizeilich geschützt werden – meist ohne Erfolg. Insbesondere in Indien geraten Aktive gegen den Sandraub in lebensgefährliche Situationen: Sie erhalten Morddrohungen von der Sand-Mafia oder werden ihr Opfer. Einzelne Abbau- und Exportverbote haben zu einem enormen Anstieg der Sandpreise geführt, die den illegalen Sandhandel nur noch verstärken. Große Abbaugebiete finden sich in Indien, Thailand, Kambodscha, Malaysia, Indonesien, Australien, aber auch in Jamaika, Marokko und am Viktoriasee.

Der Sandabbau und -raub zieht weitreichende ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Folgen nach sich: die Trinkwasserqualität verschlechtert sich, Fischerei und Ökosysteme von Küsten- und Flusslandschaften leiden. Menschen und Tiere verlieren aufgrund der erhöhten Anfälligkeit für Überschwemmungen und Stürme ihren Lebens- und Wirtschaftsraum.

Die Lösung des Problems ist komplex, und Ansätze müssen auf verschiedenen Ebenen greifen. Sind alternative Baustoffe die Zukunft? Braucht es eine grundlegend andere Art des Bauens? Kann die Lieferkette „Gebäude“ unter fairen Bedingungen gestaltet werden? Sind Siegel - und eine andere Vergabepraxis die Lösung? Was kann der und die Einzelne, was können Kommunen und Länder im globalen Norden tun?

Das Fachgespräch ist eine interdisziplinäre Annäherung an diese Thematik. Dabei interessiert der Blick auf die Auswirkungen in den Ländern des globalen Südens und der Erörterung, welche Rolle die Ressourcenintensive Lebensweise spielt. Ziel des Fachgesprächs ist es, über fachliche Grenzen hinweg in einen Austausch zu kommen und am Ende zu fragen, wie die Problematik in die Entwicklungspolitische Bildungsarbeit eingebracht und eine größere Öffentlichkeit dafür sensibilisiert werden kann.

Das Fachgespräch hat Werkstattcharakter, d.h. alle Teilnehmenden sind aktiv und bringen sich mit ihrem fachlichen Hintergrund ein. Gleichwohl gibt es einige vorbereitete Impulse, die durch den Tag führen.

Veranstalter

Das Fachgespräch wird von Engagement Global im Rahmen des Programms Entwicklungsbezogene Bildung in Deutschland (EBD) durchgeführt.

Kooperationspartner

  • Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Landesbüro Stuttgart
  • Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE), Ostfildern
  • Werkstatt Ökonomie e.V., Heidelberg
  • ZEB – Zentrum für Entwicklungsbezogene Bildungsarbeit der Evangelischen Landeskirche Württemberg, Stuttgart

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