Die Werkstatt Ökonomie und die Kirche. Eine Standortbestimmung zu unserer kirchlichen Verwurzelung


1. Kirche als Basis und Bezugspunkt

Die Werkstatt Ökonomie ist von engagierten Menschen aus der Kirche gegründet worden. Sie ist Teil der Geschichte der Kirche. Und die Kirche ist Teil ihrer Geschichte.

Diese Bezogenheit ist vermittelt über die institutionelle Zugehörigkeit zur Diakonie, über kirchliche Förderinstitutionen und über die persönlichen Beziehungen von Mitgliedern und Mitarbeitenden. Auch kritische Auseinandersetzung mit der Kirche ist Ausdruck dieser Bezogenheit.

Die Werkstatt Ökonomie versteht sich als Teil zwar nicht der „verfassten Kirchen“, aber der lebendigen ökumenischen Gemeinschaft. Sie ist Impulsgeberin, kritisches Gegenüber und Dienstleisterin der Kirchen sowie Brücke zwischen Kirche und Gesellschaft.


2. Theologische Begründung der Arbeit der Werkstatt Ökonomie

Vision, Mission und strategische Ziele der Werkstatt Ökonomie sind bewusst für einen säkular-gesellschaftlichen Kontext formuliert. Sie lassen sich jedoch konsistent theologisch begründen. Diese Begründungen haben ein besonderes Gewicht und Notwendigkeit im Bezug zu den Wurzeln der Werkstatt Ökonomie und in der Beziehung zu ihren kirchlichen Partner*innen.

  • Begründung von Inklusion: Sich mit den anderen Menschen als Geschöpfe Gottes zu sehen und zu glauben, begründet die Unbedingtheit des gleichen Wertes aller Menschen unabhängig von jeglichem Kennzeichen und Leistung.
  • Begründung von Solidarität: Kooperation, Engagement für die „Nächsten“ lassen sich schwer aus Eigeninteresse allein begründen. Gottes Option für die Ermächtigung der Armen und die Hoffnung auf eine Welt, in der es ein Genug für alle innerhalb der planetaren Grenzen gibt, sind Fundamente des Handelns für eine solidarische Welt.
  • Begründung von Nachhaltigkeit: Gerade angesichts der zerstörerischen Herrschaft des Menschen über die Erde gilt: „Die Erde ist des Herrn“; sie ist nicht Eigentum des Menschen. Daraus leitet die Werkstatt Ökonomie ihre Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ab.
  • Begründung von Transformation: Gnade befähigt zu Buße und Umkehr. Dorothee Sölle hat den Glauben an die Erlösung als den Glauben an „die Veränderbarkeit des Menschen“ bezeichnet („Das Recht ein anderer zu werden“). Der Glaube befähigt zum Handeln.

Theologische Reflexion enthält die Chance zur Ideologiekritik, weil sie keine Tabus, keine unumstößlichen inhaltlichen und theoretischen Fundamente braucht. Die Werkstatt Ökonomie braucht theologische Reflexion, insbesondere für die langfristige Ausrichtung der Arbeit.

Die Werkstatt Ökonomie reflektiert ihre strategischen Ziele und ihre Arbeit regelmäßig theologisch – auch gemeinsam mit ihren Partner*innen.


3. Spiritualität

Zur Transformation will die Werkstatt Ökonomie gerade auch durch die Förderung des kulturellen Wandels beitragen. Spiritualität hilft – unabhängig von ihrer jeweiligen religiösen Ausprägung –, sich auf das Wesentliche zu besinnen, und ist eine Kraft für Widerstand, Ausdauer und Hoffnung.

Dazu bedarf es starker Visionen und Bilder des guten Lebens, die durch Sachinformation und Vernunft allein nicht geweckt werden können.

Die Werkstatt Ökonomie fördert in angemessener Weise Orte der Spiritualität. Sie will auf den verschiedenen Ebenen ihrer Arbeit eine Kultur der Nachhaltigkeit einüben.


4. Persönliche Verwurzelung

Die Mitarbeitenden, Vereinsmitglieder und Vorstände haben unterschiedliche Geschichten und Beziehungen zu christlichem Glauben und Kirche. In der Diakonie, einschließlich gesellschaftsdiakonischer Institutionen wie der Werkstatt Ökonomie, arbeiten schon immer Menschen mit unterschiedlichem religiösen Hintergrund.

Erwartet werden kann von den Einzelnen, dass sie die Vision, Mission und strategischen Ziele mitvertreten.

In der Werkstatt Ökonomie arbeiten Menschen, die glaubwürdig auskunftsfähig sind über die Grundlagen des christlichen Glaubens, der Kirche und deren Bedeutung für die Arbeit der Werkstatt Ökonomie.


5. Kirche als Zielgruppe

Die Ziele und Zielgruppen der Werkstatt Ökonomie umfassen die Gesellschaft, wobei kirchliche Akteur*innen eine zentrale Rolle einnehmen. Viele von ihnen teilen als Einzelne oder als Institution die Ziele der Werkstatt Ökonomie.

Die Kirchen bieten zugleich die Chance, in allen Regionen und Altersgruppen Multiplikator*innen zu finden.

Die Werkstatt Ökonomie nimmt bei ihren Studien, Veröffentlichungen, Bildungsmaßnahmen und Kampagnen die Kirche als eine besonders wichtige Zielgruppe in den Blick.


6. Vernetzungen mit kirchlichen Akteur*innen

In den Kirchen sind vielfältige Institutionen und Gruppen mit ähnlichen Themen und Zielen unterwegs, in Deutschland und weltweit. Mit ihnen verbündet sich die Werkstatt Ökonomie. Die Unterstützung durch kirchliche Strukturen kann manchen Stellungnahmen und Kampagnen größeres Gewicht verleihen. Umgekehrt kann die Werkstatt Ökonomie als unabhängige Organisation kirchliche Positionen gegebenenfalls pointierter vertreten.

Die Werkstatt Ökonomie ist mit vielen ihrer Projekte langfristige Bindungen mit kirchlichen Trägerorganisationen eingegangen. Mit einem Teil ihrer Arbeit bleibt sie angewiesen auf eine davon unabhängige Tätigkeit und Finanzierung.

Im Sinne der gemeinsamen Ziele vernetzt sich die Werkstatt Ökonomie mit Akteur*innen gerade aus dem Raum der Kirche. Dazu gehört auch, sich zeitlich begrenzten Schwerpunktsetzungen der Ökumene zuzuwenden.

 
Heidelberg, im März 2020