Sozialstandards in der Spielzeugproduktion: Höchste Zeit für mehr Verbindlichkeit

Vor 15 Jahren waren Brandkatastrophen in zwei asiatischen Spielzeugfabriken Auslöser der Diskussion um die Verantwortung der Markenfirmen für die Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards bei ihren Lieferanten. Als Ausdruck ihrer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, reagierte die Branche mit freiwilligen Verhaltenskodizes. Vor sieben Jahren, im Jahr 2001, beschloss der Weltverband der Spielzeugindustrie seinen Code of Business Practices als globalen Standard für die Branche.

Freiwilligkeit ist nach wie vor das oberste Prinzip der Unternehmensverantwortung auf Seiten der Markenhersteller. Aber selbst der Grundsatz, dass wer sich freiwillig zu etwas verpflichtet, verbindlich dazu stehen sollte, greift nicht: Während die chinesischen Lieferanten durch den Kodex des Verbandes strengen Auflagen unterworfen werden (von Freiwilligkeit kann bei ihnen keine Rede sein), werden die ArbeiterInnen und VerbraucherInnen von den Markenfirmen mit unverbindlichen Versprechungen vertröstet.

Nach Einschätzung des Autors müssen deshalb die Markenfirmen zur Offenlegung ihrer Lieferketten verpflichtet und die Umsetzung ihrer Zusagen kontrolliert werden. Außerdem müsse der Weltverband über die Fortschritte der einzelnen Markenfirmen und des Handels bei der Zertifizierung ihrer Lieferketten informieren. Ein Schlüsselelement sieht der Autor in der Beteiligung der ArbeiterInnen; ein wichtiger Referenzpunkt in diesem Zusammenhang ist das seit Januar 2008 gültige Arbeitsvertragsgesetz.

Bibliographische Angaben:
Kleinert, Uwe (2008): Sozialstandards in der Spielzeugproduktion: Höchste Zeit für mehr Verbindlichkeit, in: Fonari, Alexander u.a. (Hg.): Zweiter Runder Tisch Bayern: Sozial- und Umweltstandards bei Unternehmen, Eine Welt Netzwerk Bayern / Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie: Augsburg / München, Februar 2008, S. 199-205