Aktuelle Umfrage der Aktion fair spielt: Vier von fünf Spielzeugfirmen mauern

Nur jedes fünfte der 250 Spielzeugfirmen, denen wir im Rahmen unserer diesjährigen Firmenumfrage einen Fragebogen zugesandt haben, hat diesen beantwortet. Vier von fünf Unternehmen der Branche lassen sich nicht in die Karten schauen, wenn es darum geht, wie sie ihrer Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in ihrer Lieferkette gerecht werden.

Die aktualisierte Firmenübersicht listet 111 Firmen auf, von denen bekannt ist, dass sie in Fernost produzieren (lassen). Nur 48 von ihnen haben gegenüber der Aktion fair spielt nachgewiesen, dass sie und ihre Lieferanten sich am ICTI CARE-Prozess beteiligen. Mit diesem freiwilligen Programm will der Weltverband der Branche die Einhaltung elementarer Mindeststandards in den Fabriken gewährleisten. Diejenigen Firmen, die daran teilnehmen, tun das aber offenbar recht konsequent: Bei 40 der 48 Unternehmen ist mindestens die Hälfte der Lieferanten im Rahmen des ICTI CARE-Prozesses zertifiziert, d.h. in ihren Fabriken wurden bei unabhängigen Kontrollen keine Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt. 23 der Unternehmen kaufen sogar nur noch bei zertifizierten Lieferanten.

Die übergroße Mehrheit der befragten Firmen hüllt sich allerdings in Schweigen. Sie signalisieren damit entweder, dass sie sich nicht in der Verantwortung sehen, bei ihren Lieferanten für die Einhaltung wenigstens der grundlegendesten Arbeitsstandards zu sorgen, oder sie bringen damit zum Ausdruck, dass sie nicht gewillt sind, den Verbrauchern Rechenschaft über ihr Geschäftsgebaren zu geben.

Eine kürzlich im Auftrag von Misereor erstellte Studie hatte hatte genau diesen Befund beklagt: Sie bescheinigte dem ICTI CARE-Prozess zwar das Potenzial, zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Fabriken beitragen zu können, machte zugleich aber deutlich, dass er dieses Potenzial nicht ausschöpfe – insbesondere weil wirkungsvolle Anreize für die Beteiligung der Spielzeugunternehmen fehlen.

Seit 2004 – etwa ein Jahr nach den ersten Kontrollinspektionen im Rahmen des ICTI CARE-Prozesses – veröffentlicht die Aktion fair spielt ihre Firmenübersicht, um Verbraucherinnen und Verbraucher darüber zu informieren, wie Spielzeughersteller, Händler und ihre Lieferanten den Verhaltenskodex des Spielzeug-Weltverbandes umsetzen. Der ICTI CARE-Prozess legt diese Informationen (bisher) leider nicht offen. Die Übersicht ist nach Angaben der Unternehmen, des Deutschen Verbandes der Spielwaren-Industrie (DVSI) und der ICTI CARE Foundation zusammengestellt. Als Nachweis für eine Zertifizierung verlangt die Aktion fair spielt, dass die Unternehmen Kopien der Zertifikate ihrer chinesischen Zulieferer oder Produktionsbetriebe vorlegen.

In einer gesonderten Übersicht weist die Aktion fair spielt auf Spielzeughersteller hin, die gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang in Fernost produzieren (lassen).