Aktion fair spielt fordert europaweites Meldesystem für Spielzeugimporte und rät zu bewusstem Einkauf

In chinesischen Spielzeugfabriken – von dort stammen rund zwei Drittel des hier verkauften Spielzeugs – herrschen nach wie vor katastrophale Arbeitsbedingungen. Das ist das Ergebnis aktueller Fabrikuntersu-chungen, die der Aktion fair spielt vorliegen. Um dies zu ändern, ruft die Aktion fair spielt Verbraucherinnen und Verbraucher zu bewusstem Einkaufen auf und fordert ein europaweites Meldesystem für Importe.

Die Studien bestätigen, dass vor allem bei Löhnen und Arbeitszeiten weiterhin gegen geltendes Recht verstoßen wird. Arbeiter/innen berichten von 100 und mehr Überstunden pro Monat. Das ist etwa das Dreifache dessen, was nach chinesischem Recht zulässig ist. In aller Regel ist die Mehrarbeit nicht freiwillig. Zwar liegen die Löhne im Allgemeinen nicht unter dem – allerdings unzureichenden – gesetzlichen Mindestlohn, aber in vielen Fällen werden den Arbeiter/innen die vorgeschriebenen Überstundenzuschläge vorenthalten.

Oft gibt es keine Lohnfortzahlung bei Krankheit, und die Arbeiter/innen sind weder unfall- noch sozialversichert. Auch das sind gravierende Verstöße gegen geltendes Arbeitsrecht. Selbst beim Arbeitsschutz bestehen immer noch Mängel: Die Mehrzahl der vorliegenden Berichte besagt, dass die Arbeiter/innen sich nur unzureichend über die Gefährlichkeit der Stoffe informiert fühlen, mit denen sie tagtäglich umgehen, und dass es oft an der notwendigen Schutzausrüstung mangelt.

Die nach wie vor vorherrschenden Missstände zeigen nach Ansicht der Aktion fair spielt, dass die freiwilligen Programme, mit denen in der Branche die Einhaltung von sozialen Mindeststandards gewährleistet werden soll, völlig unzureichend sind. Zwar gehen viele Unternehmen gerne öffentlichkeitswirksam freiwillige Selbstverpflichtungen ein, doch sie zeigen wenig Bereitschaft, wenn es um Transparenz und den Nachweis geht, dass sie ihre Zusagen auch umsetzen.

„Wir können nicht akzeptieren, dass viele Unternehmen offenbar Freiwilligkeit mit Unverbindlichkeit verwechseln“, so Christa Nickels, die Schirmfrau der Aktion fair spielt. „Es darf nicht sein, dass vielleicht gut gemeinte Programme zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen wie der ICTI CARE-Prozess als bloße PR-Instrumente missbraucht werden. Die Verantwortlichen müssen hier dringend gegensteuern. Tun sie das nicht, machen sie sich unglaubwürdig.“

Auch aus verbraucherpolitischer Sicht wäre mehr Transparenz nötig, etwa im Zusammenhang mit unsicheren oder gesundheitsgefährdenden Spielsachen. Bisher haben Verbraucher/innen keine verlässliche Information darüber, wo ein Spielzeug hergestellt wurde und welche Qualitätsstandards dabei berücksichtigt wurden. Selbst den Behörden fehlt der direkte Zugriff auf Informationen über den Herstellbetrieb. Vor diesem Hintergrund fordert die Aktion fair spielt ein europaweites Meldesystem für Importe, das klare Zuständigkeiten und eine verbindliche Ursprungskennzeichnung einschließt und die lückenlose Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette gewährleistet.

Den Verbraucher/innen rät die Aktion fair spielt, sich vor dem Spielzeugkauf zu informieren und möglichst in Fachgeschäften einzukaufen. Orientierung bieten einige Produktkennzeichnungen wie das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit. Auf den Verpackungen sollten immer der Name und die Adresse des Herstellers angegeben sein. Auch unter Umweltaspekten ist es empfehlenswert, gebrauchtes Spielzeug wieder zu verwenden, statt neues anzuschaffen. Und auch im Kinderzimmer gilt: Weniger ist oft mehr.