Jahresbericht 2023 der Werkstatt Ökonomie

In einer Zeit globaler Krisen wie dem Russland-Ukraine-Krieg und drängender sozial-ökologischer Herausforderungen hat sich die Werkstatt Ökonomie im Jahr 2023 erneut als Mediator globaler und lokaler Verflechtungen bewiesen. Die WÖK vereint in ihrer Arbeit wirtschaftliche, soziale und ökologische Perspektiven vor einem christlichen Wertehintergrund. Die interdisziplinäre Expertise und der ganzheitliche Ansatz der WÖK wird sehr geschätzt und vielfach angefragt, was dieser Bericht 2023 widerspiegelt. 

Mit unermüdlichem Engagement setzen sich die Mitarbeiter:innen dafür ein, Ihnen komplexe Weltbeziehungen mittels eigener Untersuchungen und Analysen nahezubringen und individuelle sowie kollektive Handlungsoptionen aufzuzeigen. Ein thematischer Fokus lag 2023 auf der Kampagnen- und Lobbyarbeit zur Umsetzung des EU-Lieferkettengesetzes. Die WÖK fungierte dabei als Mitträgerin der Initiative Lieferkettengesetz. Neben der nationalen Ebene steuert sie auch das landespolitische Netzwerk in Baden-Württemberg, das 30 zivilgesellschaftliche Akteure und Gruppen zusammenbringt. Die WÖK bietet somit eine Vernetzungsplattform, um Lobbyarbeit auf verschiedenen Ebenen effektiv zu gestalten. Angesichts dieser oft wider-ständigen politischen Prozesse beweisen die Mitarbeiter:innen große Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen. 

Diese wichtige politische Arbeit kann inhaltlich unabhängig und mit Raum für kreatives Experimentieren nur umgesetzt werden, weil auch 2023 viele Menschen die WÖK engagiert und finanziell gefördert haben. Dies ermöglicht der WÖK, durch Publikationen und öffentliche Veranstaltungen Impulse zu setzen und Meinungsbildungsprozessen zu relevanten Themen zu beeinflussen. Insbesondere in Zeiten globaler komplexer Krisen wie dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und erstarkender nationalistischer Abschottungstendenzen ist die Arbeit wichtig, da sie den Blick auf strukturelle Herausforderungen lenkt, die für die Länder des Globalen Südens sehr gravierend sind, aber in vermeintlich akuten Krisen aus dem Blick geraten. Dies zeigte sich 2023, als die WÖK durch die KASA eine der wenigen Organisationen in Deutschland und der EU war, die das EU-Kenia-Handelsabkommen kritisch begleitete und dabei die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen in Kenia und Ostafrika aktivierte, um gemeinsame Handlungsoptionen zu entwerfen. 

Das Gleiche gilt für die Energiepolitik am Beispiel Grünen Wasserstoffs, den die deutsche Bundesregierung für die hiesige Energiewende identifiziert. Dieser soll zukünftig im Partnerland Namibia gefördert werden. Aus diesem Grund hat die WÖK in verschiedenen Foren das Thema Grüner Wasserstoff in den Gesamtkontext der Beziehungen zwischen Deutschland und Namibia gestellt, die nach wie vor durch den deutschen Genozid in Namibia belastet werden. Die Berücksichtigung dieser nicht-aufgearbeiteten Geschichte ermöglicht, die Risiken eines drohenden grünen Kolonialismus in Namibia besser einzuordnen. 

Daran zeigt sich die Bedeutung des von der WÖK erstellten Konzepts zur Gemeinwohlökonomie, das die gerechte Verteilung der begrenzt vorhandenen Ressourcen der Erde vor dem Hintergrund der eigenen Glaubensverantwortung priorisiert. Genau dieses Bewusstsein um zwischenmenschliche Verbundenheit und die Sorge um ein gutes Leben für alle begründen den ganzheitlichen und menschlich zugewandten Ansatz, der sich wie ein roter Faden durch die Arbeit der WÖK zieht.  

Marita Wagner

Vorstandsmitglied