Die Bilder aus Ceuta gehen derzeit um die Welt. Tausende Menschen versuchen, die europäische Außengrenze zu überwinden. Viele bezahlen den Versuch mit ihrem Leben, andere stranden zwischen militärisch gesicherten Grenzanlagen, politischen Interessen und einer europäischen Migrationspolitik, die Abschreckung über Menschenrechte stellt. Während in Europa vor allem über Grenzsicherung, Rückführungen und Kontrolle diskutiert wird, geraten die Ursachen dieser Fluchtbewegungen erneut in den Hintergrund.
Doch Ceuta ist weit mehr als ein aktueller Krisenort. Die spanische Exklave auf afrikanischem Boden ist ein Symbol für die lange Geschichte kolonialer Herrschaft und ungleicher globaler Machtverhältnisse. Die Grenze trennt nicht nur Afrika und Europa – sie trennt Wohlstand von Armut, Bewegungsfreiheit von Entrechtung und macht sichtbar, dass die koloniale Ordnung bis heute fortwirkt. Wer sich frei bewegen darf und wer nicht, ist kein Zufall, sondern Ausdruck historisch gewachsener rassifizierter Hierarchien. Die jüngsten Ereignisse zeigen eindrücklich, dass Europas Außengrenzen zunehmend zu Orten werden, an denen diese Ungleichheiten mit militärischen Mitteln verwaltet werden.
Vor diesem Hintergrund gewinnt unser Symposium Colonial Wars, Racial Hierarchies and Mobility in the 21st Century auf Lesbos besondere Aktualität. Sie fragt nach den historischen Wurzeln heutiger Grenzregime und danach, wie koloniale Kriege, Rassismus und globale Mobilität zusammenhängen. Denn die koloniale Expansion Europas beruhte nicht nur auf Landnahme und Gewalt, sondern schuf zugleich Kategorien von Zugehörigkeit und Ausschluss, deren Folgen bis heute spürbar sind. Wer heute über Migration spricht, kommt an dieser Geschichte nicht vorbei.
Wie prägen koloniale Gewalt und rassistische Ordnungen die internationale Politik bis heute? Welche Kontinuitäten bestehen zwischen den kolonialen Kriegen des 19. Jahrhunderts und den heutigen europäischen Grenzregimen? Warum gelten manche Menschen als willkommene mobile Arbeitskräfte, während andere kriminalisiert oder an den Grenzen Europas sterben? Und welche Perspektiven entwickeln Wissenschaft und soziale Bewegungen, um diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und zu überwinden?
Über diese Fragen diskutieren wir mit ausgewiesenen Expert:innen aus der kritischen Migrations- und Kolonialismusforschung. Die Veranstaltung lädt dazu ein, aktuelle Entwicklungen wie die Ereignisse in Ceuta nicht als isolierte Krise zu verstehen, sondern als Ausdruck einer globalen Ordnung, die bis heute von kolonialen Kontinuitäten geprägt ist. Sie richtet sich an alle, die sich für globale Gerechtigkeit, Dekolonisierung und eine menschenrechtsbasierte Migrationspolitik interessieren.
Gerade in einer Zeit, in der Abschottung und Nationalismus wieder an Einfluss gewinnen, braucht es Räume für historische Einordnung, kritische Analyse und solidarische Debatten.
Das Symposium wird online übertragen, den Link dazu erhalten Sie nach Anmeldung



