Terminkalender
Das Jahr 2026 ist für Südafrika ein besonderes Jahr der Erinnerung. Mehrere einschneidende Ereignisse in der Geschichte des Landes jähren sich:
Vor 70 Jahren (1956) marschierten rund 20.000 Frauen nach Pretoria, um gegen die Ausweitung der Passgesetze auf Frauen zu protestieren. 20 Jahre später (1976) erhoben sich Schüler:innen in Soweto gegen das Apartheidregime und dessen rassistische Bildungspolitik. 1994 fanden die ersten demokratischen Wahlen statt und 2 Jahre später wurde die demokratische Verfassung Südafrikas verabschiedet.
Im selben Jahr (1996) wurde die Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika KASA gegründet, um auch nach dem Ende der politischen Apartheid die Mobilisierung für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit in Deutschland lebendig zu halten und den gesellschaftlichen und politischen Transformationsprozess im Südlichen Afrika kritisch-solidarisch zu begleiten.
Vor 14 Jahren erschütterte das Massaker von Marikana das Land, im Zuge dessen 34 streikende Minenarbeiter von der Polizei erschossen wurden. Als Folge davon streikten im selben Jahr zum ersten Mal die Farmarbeiter:innen auf den Weinfarmen des Western Cape.
Diese Jahrestage erinnern an unterschiedliche Stationen des langen Kampfes gegen die Apartheid und für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde. Sie werfen zugleich die Frage auf, wie viele Versprechen im Hinblick auf Frieden, Wiedergutmachung und Versöhnung in Südafrika bisher eingelöst wurden.
An die Bedeutung des Jubiläumsjahres und die Notwendigkeit, die Versprechen des Befreiungskampfes zu bekräftigen, hat auch der südafrikanische Präsident in seiner diesjährigen Rede zur Lage der Nation erinnert. Auch die heutige Regierung stellt sich dabei ausdrücklich in die Tradition jener Kämpfe und Menschen, die Südafrikas Geschichte geprägt haben.
Doch welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen prägen Südafrika heute?
Was ist aus dem Mut und Engagement der Frauen geworden, die 1956 nach Pretoria marschierten? Was aus den Forderungen der Menschen von Sharpeville, dem Aufbegehren der Schüler:innen von Soweto, dem Kampf der Minenarbeiter von Marikana und dem Streik der Farmarbeiter:innen im Western Cape? Welche Fortschritte hat die Demokratie gebracht – und wo bestehen Kontinuitäten von Ungleichheit, Ausgrenzung und wirtschaftlicher Machtkonzentration fort?
Und schließlich: Welche Rolle spielt Südafrika in einer sich verändernden geopolitischen Ordnung? Was bedeutet panafrikanische Solidarität heute – eine Solidarität, die einst eine wichtige Grundlage des internationalen Kampfes gegen die Apartheid bildete?
Diese und weitere Fragen möchten wir gemeinsam mit zwei renommierten südafrikanischen Gästen diskutieren. Dazu laden wir Sie herzlich ein.
Referent:innen
Erzbischof Buti Joseph Tlhagale OMI
Buti Joseph Tlhagale ist einer der profilierten katholischen Kirchenführer Südafrikas und eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und gesellschaftliche Verantwortung. Von 2003 bis 2024 war er Erzbischof von Johannesburg. Er bringt die Perspektive eines Landes ein, das den Übergang von der Apartheid zur Demokratie selbst erlebt und mitgestaltet hat – und heute vor der Herausforderung steht, die politischen Errungenschaften von 1994 mit sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit zu verbinden. Seine langjährige Erfahrung im kirchlichen und öffentlichen Leben Südafrikas eröffnet einen besonderen Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen drei Jahrzehnte und auf die Frage, welche Verantwortung Kirche und Zivilgesellschaft heute übernehmen können.
Nomzamo Zondo
Nomzamo Zondo ist Menschenrechtsanwältin und seit 2020 Executive Director des Socio-Economic Rights Institute of South Africa (SERI), einer führenden südafrikanischen Organisation für soziale und wirtschaftliche Rechte. Ihre Arbeit verbindet strategische Prozessführung, Forschung und Advocacy. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Wohnungs- und Landrechte, Zwangsräumungen, informelle Ökonomien und der Zugang zu grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen. Zondo verbindet juristische Expertise mit einer kritischen Analyse der sozialen und wirtschaftlichen Realität des post-apartheidlichen Südafrikas. Sie steht damit für die Frage, wie Demokratie und die in der Verfassung verankerten sozialen Rechte für diejenigen konkret wirksam werden können, die weiterhin von Ungleichheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind.


