Am 6. August konnte die offizielle Eröffnung des Weltsozialforums in Cotonou am Nachmittag schließlich stattfinden. Die tausenden Vertreter:innen sozialer Bewegungen, Wissenschaftler:innen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen aus mehr als 100 Ländern hatten jedoch nicht auf die offizielle Genehmigung gewartet, um ihre Aktivitäten aufzunehmen.
Einige Gruppen, die zu Themen wie Migration, Verschuldung, Ernährungssouveränität, Frieden sowie Klima- und Umweltschutz arbeiten, hatten bereits im Vorfeld Aktivitäten in Cotonou geplant. Als sich erste Unklarheiten darüber abzeichneten, ob das Weltsozialforum tatsächlich stattfinden würde, entschieden sie sich, ihre Programme an dezentralen Orten fortzusetzen. Andere organisierten sich kurzfristig neu und fanden alternative Veranstaltungsorte. Das westafrikanische Netzwerk „Nous sommes la solution“, das sich für Ernährungssouveränität und Agrarökologie einsetzt, änderte ebenfalls sein Programm und organisierte Feldbesuche bei beninischen Partnerorganisationen außerhalb Cotonous.
Damit war das Weltsozialforum bereits in Gang, lange bevor die beninische Regierung die Restriktionen aufhob – zunächst dezentral und unter schwierigen Bedingungen. Die Gründe für die Einschränkungen sind bislang unklar, da die Regierung hierzu keine näheren Angaben gemacht hat.
Die Aufhebung der Restriktionen ermöglichte es unter anderem der Karawane der Landrechtsbewegung „Vereinigung der Kämpfe für Land, Wasser und bäuerliches Saatgut“, Benin wieder zu betreten. Die Delegierten aus Zentral- und vor allem Westafrika waren am 4. August, dem ursprünglich vorgesehenen Eröffnungstag des Weltsozialforums, nach einer fast dreiwöchigen Reise durch verschiedene Länder Zentral- und Westafrikas kurz vor Cotonou von den beninischen Behörden zurückgewiesen und nach Togo abgeschoben worden. Die rund 400 Teilnehmenden der Karawane ließen sich davon jedoch nicht entmutigen. Sie warteten an der Grenze, während das lokale Organisationskomitee alle Hebel in Bewegung setzte, um ihre Einreise zu ermöglichen. Mit Erfolg: Nach der Aufhebung der Restriktionen konnten sie schließlich nach Benin einreisen und das Weltsozialforum erreichen. Für andere Teilnehmende kam diese Entscheidung hingegen zu spät. Unter anderem Menschen aus Haiti, Uganda, Finnland und Schweden waren in den Tagen zuvor abgeschoben worden und befanden sich zum Zeitpunkt der Aufhebung der Restriktionen bereits wieder in ihren jeweiligen Ländern.
Die Ereignisse rund um das Weltsozialforum in Cotonou zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume zu schützen und zu verteidigen. Zugleich haben die in Cotonou versammelten sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen eindrucksvoll gezeigt, wie widerstandsfähig und handlungsfähig sie auch unter schwierigen Bedingungen sind.
Seit dem 6. August können die Aktivitäten, die zuvor dezentral stattfinden mussten, nun auf dem Campus der Universität Abomey-Calavi fortgesetzt werden. Damit verbessern sich nicht nur die Bedingungen für die inhaltliche und strategische Arbeit der thematischen Gruppen. Auch die Vernetzung zwischen den verschiedenen sozialen Bewegungen und Initiativen wird erleichtert – und gerade diese Vernetzung ist ein zentraler Bestandteil und eine der wichtigsten Stärken des Weltsozialforums.

