Am 26. März fand im Palais des Congrès in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, die Eröffnung der 14. Ministerialkonferenz (MC14) der Welthandelsorganisation (WTO) statt. In den Eröffnungsreden gingen nahezu alle Redner auf die tiefe Krise der WTO ein. So betonte die Generaldirektorin der WTO, Ngozi Okonjo-Iweala, die Notwendigkeit einer grundlegenden Überprüfung der Funktionsweise der Organisation, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Sie wies darauf hin, dass 22 Volkswirtschaften einen Beitritt zur WTO anstreben – ein Zeichen dafür, dass die Organisation trotz ihrer gegenwärtigen Probleme weiterhin attraktiv bleibt. Zudem hob sie hervor, dass Dienstleistungen – unterstützt durch digitale Technologien – für die Entwicklung ebenso wichtig seien wie Landwirtschaft und Industrie.
Diese Einschätzung ist ökonomisch nachvollziehbar, verweist jedoch zugleich auf eines der zentralen Probleme der WTO. Themen wie die Reform der Agrarsubventionen in wohlhabenderen Ländern, verbesserte Schutzmechanismen für ärmere Staaten sowie die Förderung der Industrialisierung rohstoffabhängiger Volkswirtschaften begleiten die WTO seit ihrer Gründung. Versuche, diese Agenda voranzubringen – etwa im Rahmen der Doha-Runde – sind maßgeblich an der mangelnden Bereitschaft der USA, der EU und weiterer Industrieländer gescheitert, entsprechende Verpflichtungen umzusetzen. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Aussage der Generaldirektorin auch politisch deuten: als implizite Aufforderung an bisher benachteiligte Länder, den Fokus von ungelösten Kernfragen in Landwirtschaft und Industrialisierung auf neue Entwicklungsfelder wie Dienstleistungen und Digitalisierung zu verlagern.
Eine solche Interpretation ist keineswegs abwegig, sondern entspricht weitgehend den Positionen, die große Industrienationen in den vergangenen Jahren vertreten haben. Sie drängten darauf, neue Handelsthemen wie Dienstleistungen, digitale Wirtschaft und Investitionsregeln in den Vordergrund zu rücken, während die Doha-Entwicklungsagenda schrittweise an Bedeutung verlor. Indem die Generaldirektorin diese Verschiebung benennt, ohne klarzustellen, dass eine ausgewogene Bearbeitung aller Themen – in einer für die betroffenen Volkswirtschaften sinnvollen Reihenfolge – erforderlich ist, verstärkt sie den Eindruck, Teil des strukturellen Problems der WTO zu sein. Für Beobachter der Verhandlungen in Genf ist dies allerdings kaum überraschend.
In seiner Rede plädierte der Premierminister Kameruns, Joseph Dion Ngute, für ein nachhaltiges und gerechtes Handelssystem und forderte die Delegierten auf, dem Dialog Vorrang vor Konfrontation einzuräumen. Dabei bezeichnete er den internationalen Handel als einen „wichtigen Hebel des Wohlstands“. In eine ähnliche Richtung argumentierte auch der kamerunische Handelsminister und Vorsitzende der MC14, Luc Magloire Mbarga Atangana. Er sprach sich für eine Reform und Stärkung der WTO aus, um den Entwicklungsbedürfnissen der Länder des Globalen Südens besser gerecht zu werden. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Förderung des afrikanischen Handels und der regionalen Integration.
Diese Absichtserklärungen wirken jedoch nur bedingt glaubwürdig, wenn man die innenpolitischen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Kamerun ist bislang nicht dafür bekannt, konsequent die notwendigen Voraussetzungen für eine stärkere Einbindung in den regionalen Handel zu schaffen – etwa durch Investitionen in Infrastruktur, die Steigerung und Diversifizierung der Produktivität oder die Förderung wettbewerbsfähiger Industrien.
Ein anschauliches Beispiel für diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bot die Eröffnungszeremonie der MC14 selbst. Wer erwartet hatte, dass die kamerunische Regierung die Gelegenheit nutzen würde, um wirtschaftliche Innovationskraft, lokale Produkte oder zukunftsorientierte Industrien zu präsentieren, wurde enttäuscht. Stattdessen dominierte ein rund 20-minütiger Programmpunkt, der stark rückwärtsgewandt, kulturalistisch und folkloristisch geprägt war, zahlreiche Klischees reproduzierte und vor allem durch ausgedehnte Lobpreisungen des Präsidenten Paul Biya auffiel – der bei der Zeremonie selbst nicht einmal anwesend war.

