GreenFaith International Network: Weltweiter Launch des interreligiösen Klimanetzwerkes

Sacred People, Sacred Earth

Am 18. November 2020 war es endlich soweit: Das globale interreligiöse Klimanetzwerk „GreenFaith International Network” wurde gestartet. Die erstmalige Koalition von Glaubensgemeinschaften und multireligiösen Institutionen aus 14 Ländern gab den Startschuss für eine neue Bewegung, die eine gemeinsame Vision teilt: „eine veränderte und transformierte Welt, in der die Menschheit in all ihrer Vielfalt eine gemeinsame Ehrfurcht vor dem Leben auf der Erde entwickelt hat”. 

Für den offiziellen Auftakt des Netzwerkes habe ich in meiner Rolle als Koordinatorin den regionalen Vorbereitungsteams geholfen, regionale Onlinekonferenzen zu organisieren und durchzuführen. Am 18. November ging dann innerhalb von 24 Stunden der (virtuelle) Ruf um die Welt, genauer gesagt in die sechs Regionen des Netzwerkes: Australien/Ozeanien, Asien, Afrika, Europa, Nordamerika und Lateinamerika. Mehr als 650 Menschen nahmen live daran teil, viele Hunderte schauten sich die Übertragungen zu einem späteren Zeitpunkt an.  

Wir sprachen über die breiten Forderungen des Netzwerkes, wie zum Beispiel Klimaneutralität bis 2030, das Ende von Subventionen für fossile Brennstoffe und industrielle Landwirtschaft oder die Selbstverpflichtung, unsere finanziellen Investitionen mit unseren Werten in Einklang bringen. Auf Englisch, Französisch und Spanisch hörten wir die Religionsvertreter*innen und Klimaaktivist*innen. Die Bandbreite zeigte unsere Diversität, vom anglikanischer Priester Rev. Bhagwan aus Fiji zur buddhistischen Nonne Kankyo Tannier aus Frankreich, von der kanadischen Klimaaktivistin Catherine Abreu zur hinduistischen Klimavertreterin Kirtanya Lutchminarayan aus Südafrika, dem Umweltdirektor des Tibet Policy Institute, Tempa Gyaltsen Zamlha, und Pedro Strozenberg, dem brasilianischen Leiter des Institutes für Religionsstudien ISER.  

Neben der multi-religiösen und interkulturellen Kontextualisierung der gemeinsamen Klima-Forderungen waren auch die kreative Umsetzungen während der sechs Konferenzen schier überwältigend. Verschiedene Künstler setzten sich mit unserem Aufruf zur Bewahrung der Heilligen Erde auseinander, darunter der muslimische Rapper Impact aus Kanada, die chilenische Poetin Cecilia Astorga und die Opernsängerin Céline Mellon aus Frankreich … und diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen.  

Wenn wir den heutigen Zustand der Welt betrachten, dann sind unsere Herzen voll von Sorge. Wir sind verängstigt und frustriert über die Schäden, die COVID-19 unseren Gemeinschaften auferlegt. Diese Pandemie offenbart grausame Ungerechtigkeiten und es sind die besonders schutzbedürftigen Gruppen, die unter den schwerwiegendsten Auswirkungen leiden.” 

Als neues Netzwerk rufen wir mit dem gemeinsamen Statement “Sacred People, Sacred Earth” zu Klimagerechtigkeit und raschem Handeln auf. Über 800 Menschen haben sich bereits angeschlossen, davon sind einige in einem kurzen Video zu sehen. Neben Religionsvertreter*innen laden wir Einzelpersonen, Familien und Gemeinden zur Unterzeichnung ein: https://bit.ly/3fvAMWQ. Das Statement wurde durch die Werkstatt Ökonomie ins Deutsche übersetzt (https://bit.ly/39cal7q)  und ist in zwölf weiteren Sprachen verfügbar. 

Dort heißt es weiter: „Gutes Leben geschieht in Beziehung – zueinander und zur gesamten Natur. Wir stellen uns eine Welt des blühenden Lebens vor, in der Verzweiflung durch Freude, Mangel durch geteilten Überfluss und Privilegien durch gerecht aufgeteilte Macht ersetzt werden.” 

Diese Beziehungen sind entscheidend und GreenFaith International setzt sich besonders für die Gründung und Unterstützung von lokalen ökumenischen und interreligiösen Gruppen – sogenannten GreenFaith Circles – ein, die miteinander für Klimagerechtigkeit aktiv werden können. 

Alle Mitglieder und Unterstützer*innen sind außerdem eingeladen, sich am 11. März beim globalen Aktionstag „Sacred People, Sacred Earth” vor Ort zu beteiligen. Direkt nach dem Launch haben bereits 400 Menschen in 20 Ländern ihre Bereitschaft zur Mitgestaltung angeboten. Gemeinsam haben wir eine historische Chance, um als Menschen und Gemeinschaften der verschiedenen Glaubensrichtungen und Spiritualität gehört und aktiv zu werden. 

Das GreenFaith International Network wird sich intensiv auf die UN-Klimaverhandlungen COP 26 vorzubereiten und auf nationaler und internationaler Ebene auf gerechte Maßnahmen in Bezug auf COVID-19 und die Klimakrise drängen. Denn wir wissen: Die Arbeit an der Gestaltung dieser gemeinsamen Zukunft beginnt jetzt.