Donnerstag, 23.05.2013

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Simbabwe hat die Wahl
 


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Ende 2012 stehen Simbabwe Neuwahlen bevor und KASA bereitet sich entsprechend darauf vor, die politischen Prozesse in Simbabwe selbst und die damit einhergehenden Veränderungen im Südlichen Afrika zu begleiten. Die Hoffnung auf einen friedlichen und reibungslosen Regierungswechsel wird begleitet von der Erinnerung an die blutigen Auseinandersetzungen im Umfeld der letzten Wahlen im Jahr 2008. An diesen gewalttätigen Verlauf des Wahlprozesses 2008 erinnert die von KASA 2011 nach Deutschland geholte Foto-Ausstellung "Reflections – Simbabwe hat die Wahl". Ziel dieser Ausstellung war die Sensibilisierung der deutschen Öffentlichkeit über die Situation in Simbabwe: Die Ereignisse dürfen nicht in Vergessenheit geraten und vor allem müssen wir – auch von hier aus – nach Kräften dazu beitragen, dass sie sich nicht wiederholen.
 
Rückblick: Die Wahlen 2008

Parallel zu den Parlaments-und Kommunalwahlen von 2008 standen vor allem die Präsidentschaftswahlen im Fokus des Interesses, weil Mugabe, der für eine sechste Amtszeit in Folge kandidierte, es zum ersten Mal mit vier Gegenkandidaten zu tun hatte, unter denen zumindest der Kandidat der MDC, Morgan Tsvangirai, aufgrund einer massiven Unterstützung durch NGOs und Gewerkschaften gute Aussichten auf Erfolg hatte. Als die ersten Schätzungen der Wahlergebnisse den neuen Trend im Land zu bestätigten schienen, brach eine Welle der Einschüchterung und Gewalt aus. WahlbeobachterInnen wurden bei der Beobachtung der Auszählung behindert und ausländische JournalistInnen in ihrer Berichtserstattung eingeschränkt, was den Verdacht von Wahlfälschungen nährte. Dieser Verdacht wurde dadurch untermauert, dass die Bekanntgabe der offiziellen Ergebnisse immer wieder hinausgezögert wurde. Eine Umfrage des unabhängigen Zimbabwe Election Support Network prognostizierte, dass die Wahlen vom 29. März zugunsten Tsvangirais hätten ausgehen müssen (49% für Tsvangirai und 42% für Mugabe). Dies hätte aber auch bedeutet, dass die erforderliche absolute Mehrheit knapp verfehlt worden wäre. Am 2. April kursierten Ergebnisse, die sich auf die Zimbabwe‘s Electoral Commisssion (ZEC) beriefen, der zufolge die MDC mit 50,3% der Stimmen die absolute Mehrheit bei der Präsidentschaftswahl gewonnen haben sollte. Ein Antrag der MDC auf Bekanntgabe der Wahlergebnisse wurde vom obersten Gericht Simbabwes jedoch abgelehnt. Die ZANU-PF ihrerseits erhob den Vorwurf des Wahlbetrugs gegen die MDC und es gelang ihr, eine neue Auszählung der Stimmzettel zu erwirken. Die Ergebnisse der ersten Auszählung sind bis heute offiziell nicht bekannt.  Aber viele unabhängige BeobachterInnen gehen von einer absoluten Mehrheit für die MDC aus. Die Ergebnisse der neuen Auszählung wurden letztendlich am 2. Mai bekannt gegeben. Mit 47,9% der Stimmen für Tsvangirai und 43,2% für Mugabe hätte keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erreicht und eine Stichwahl wäre notwendig gewesen.
 
In diesen von Streitigkeiten über die Wahlergebnisse geprägten Wochen nahm  die politisch motivierte Gewalt im Land zu. OppositionspolitikerInnen und deren AnhängerInnen wurden von den Sicherheitskräften verfolgt, verhaftet und misshandelt, 60 Menschen kamen ums Leben. Dies zielte darauf ab, die Menschen für die erzwungene Stichwahl einzuschüchtern, zu demotivieren oder sie bei ihrer Wahlentscheidung zu beeinflussen. Die Gewalt gegen die Opposition war so systematisch und verbreitet, dass selbst Tsvangirai vorübergehend Zuflucht in der niederländischen Botschaft suchen musste und seine Kandidatur für die Stichwahl schließlich zurückzog. Ohne Gegenkandidat gewann Mugabe die Stichwahl mühelos. Die Verschlechterung der sozialen und wirtschaftlichen Lage konnte er nicht stoppen. Sie erreichte einen Höhepunkt, als  die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und Medikamenten in sämtlichen Teilen des Landes zusammenbrach. Die Krise war nicht mehr zu leugnen und auf Drängen des südafrikanischen Staatspräsidenten Mkebi kam es zu Verhandlungen zwischen ZANU- PF und MDC. Sie führten im September 2008 zur Unterzeichnung des Global Political Agreement (GPA) und zur Bildung des Government of National Unity (GNU).  Das GPA wurde bis jetzt nur teilweise umgesetzt, viele der für die bevorstehenden Wahlen notwendigen Maßnahmen wie die Reformen  der Verfassung, des Sicherheitsapparats und  der Medien stehen noch aus. Trotzdem wird seit der Machtübernahme durch die Regierung der nationalen Einheit, die nur als Übergangsregierung gedacht war, immer wieder über Termine für die Wahlen spekuliert. Eine kritische Begleitung der anstehenden Wahlen ist nach Überzeugung der KASA dringend geboten, sie wird deshalb im laufenden Jahr in ihrer Arbeit einen deutlichen Schwerpunkt auf dieses Thema setzen.

Simbabwe als KASA-Schwerpunkt

KASA will zu einer differenzierten Wahrnehmung von Simbabwe in Deutschland beitragen und die deutsche Öffentlichkeit über die aktuellen Entwicklungen informieren. Dafür wird sich KASA ihre Mitwirkung in die Netzwerke ZEN (Zimbabwe European Network) und EZN (Ecumenical Zimbabwe Network) einbringen und die dort diskutierten aktuellen Informationen für den deutschen Kontext aufbereiten.  Darüber hinaus verfügt KASA über enge Beziehungen zu zahlreichen simbabwischen Organisationen, die ebenfalls wichtige Quellen authentischer Informationen sind. Ziel des verstärkten Engagements der KASA ist eine Begleitung des Demokratisierungsprozesses in Simbabwe durch gezielte Informations- und Mobilisierungsarbeit in Deutschland. Zu den Zielgruppen gehören sowohl JournalistInnen und ihre Presseorgane, deren Interesse an einer Berichtserstattung zum Wahlprozess in Simbabwe geweckt werden soll, als auch zivilgesellschaftliche Organisationen und Solidaritätsgruppen, die für kreative Formen der Begleitung des Wahlprozesses mobilisiert werden sollen.  Mit einem wöchentlich erscheinenden Newsletter sollen Informationen u.a. zu folgenden  Themengebieten bereitgestellt werden:

•    Wahlen
•    Verfassung
•    Regierung der nationalen Einheit
•    EPAs
•    Diamanten und andere wertvolle Ressourcen
•    Menschenrechtssituation

Zudem werden weiterführende Analysen durch die simbabwische und internationale Presse zugänglich gemacht.




 

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