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Der neoliberale Globalisierungsprozess wird von seinen Verfechtern als
alternativlos dargestellt. Margret Thatcher hat die Formel "there is no
alternative" geprägt, bekannt als TINA-Phänomen. Viele Menschen scheinen
sich mit der Idee angefreundet zu haben, dass es für die Menschheit
keinen anderen Ausweg gibt, als sich anzupassen, sich anzugleichen, sich
ins Modell einzufügen. In diesem Kontext, in dem das herrschende Modell
wie ein Naturgesetzt verkauft wird, ist es nicht populär, von
Alternativen zu sprechen. Ein Beweis dafür ist die immer wiederkehrende
Frage bei vielen Veranstaltungen: "Das ist ja gut zu kritisieren. Aber
welche Alternativen haben Sie? Gibt es ein anderes Gesellschaftsmodell?"
… "Der Kommunismus ist gescheitert."
Es reicht nicht, der
Ratlosigkeit das Argument entgegenzusetzen, dass auch der Kapitalismus
nicht funktioniert. Auch im jetzigen Kontext, in dem Finanz-, Energie-
und Nahrungsmittelkrisen sowie die Umwelt- und Klimakatastrophe die
Grenzen des Kapitalismus deutlich vor Augen führen und der Ruf nach
einer Zivilisierung des Marktes immer lauter wird, hilft die
Polarisierung genauso wenig wie die Ergebenheit in die herrschenden
Verhältnisse. Die Kritik an der Kritik kann und muss als Aufforderung
verstanden werden, die Arbeit an konkreten Alternativen zu verstärken.
Wenn
wir hier von Alternativen sprechen, so meinen wir kein von Experten
erarbeitetes Wissen im Sinne von technischen oder technokratischen
Lösungen, die von Durchführungsinstanzen dank formalisierter und
standardisierter Verfahren umgesetzt werden sollen. Gemeint sind
Lebensentwürfe, in denen Menschen sich Handlungsräume verschaffen, sich
organisieren und ihr Leben so gestalten, wie es ihren Interessen und
Visionen entspricht. Solche Lebensentwürfe werden nicht von oben herab
bestimmt, sondern gemäß den eigenen Bedürfnissen und Einsichten
entwickelt.
So gesehen besteht die größte Herausforderung der
Arbeit an Alternativen darin, Weltverständnisse und Lebensentwürfe
wahrzunehmen, zu identifizieren und zu dokumentieren. Wo gibt es denn
Ansätze, die Unterstützung verdienen und neuer Impulse bedürfen? Wo gibt
es Gruppen, die im Kleinen Veränderungen bewirken, Impulse setzen und
gesellschaftliche Prozesse in neue und innovative Richtungen lenken?
Solche gesellschaftlichen Prozesse gilt es wahrzunehmen, Strategien
ihrer Konsolidierung zu entwerfen und aus ihnen Lehren für andere
Kontexte zu ziehen. Es ist hier von Lehren die Rede, weil wir der
Meinung sind, dass Gesellschaftsmodelle nicht übertragbar sind, aber
dass in jedem von ihnen Erfahrungen stecken, die für andere Kontexte von
Relevanz sein können.
Wahrnehmungspflicht, Urteilskraft und
dezidiertes Handeln sind drei Seiten ein und derselben Denkbewegung und
sie sind in ihrer Kombination geeignet, wenn es darum geht, in einer
durch ein imperialistisches Denken geprägten Welt nach Alternativen zu
suchen. Im Entdecken, im Sehen von kleinen Initiativen und Lebensstilen,
im Zuhören, in der Wahrnehmung von Gedanken, die im vorherrschenden
Modell kaum die Chance haben, sich zu entfalten, geschweige denn sich
durchzusetzen, in deren Unterstützung und Verteidigung artikuliert sich
der Entwurf von Alternativen angesichts kapitalistischer Zerstörung.
Konsultationsprozess
Um
die Suche nach Alternativen von unten voranzubringen, hat KASA ein
Arbeitspapier entworfen und einen Konsultationsprozess in Gang gesetzt.
Partnerorganisationen und einzelne Personen werden aufgefordert, zur
Grundidee und zum methodischen Vorgehen Stellung zu beziehen sowie über
konkrete Ansätze zu berichten. Bei Interesse an diesem Projekt können
Sie Kontakt mit den KASA-KoordinatorInnen aufnehmen.
Boniface Mabanza (November 2009)
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