Als ab 2001 die Preise für Metalle, Energie und landwirtschaftliche
Produkte zu steigen begannen, gingen viele Optimisten davon aus, dass
die Stunde der rohstoffreichen Länder geschlagen habe. Doch mittlerweile
hat die Wirtschaftskrise auch den Rohstoffsektor erschüttert. Vom Boom
ist nur noch im Zusammenhang mit ein paar Ausnahmeprodukten die Rede.
Die
Erwartung, dass der Rohstoff-Boom zu einer grundlegenden und
nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung in
rohstoffreichen Ländern des Südlichen Afrika und anderer Teile der Welt
beitragen würde, hatte sich schon vor der Wirtschaftskrise als bloßer
Wunschdenken entpuppt. Bestätigt hatte sich das, was in der
Fachliteratur als „Fluch des Reichtums“ oder „Paradox des Überflusses“
diskutiert wird. Es gibt viele Gründe für die dünnen positiven
Auswirkungen des Rohstoff-Booms auf die lokalen Bevölkerungen. Am
häufigsten werden die unausgewogenen Verträge thematisiert, die den
Unternehmen große Gewinne bescheren, während die Staaten von den
Gewinnen nur wenig profitieren und die Umwelt- und Sozialstandards sehr
niedrig gesetzt werden.
Hinzu kommt, dass viele rohstoffreiche
Länder unter Auslandsschulden leiden, deren Rückzahlung einen Großteil
ihrer Gewinne verschlingt. Von dem, was übrig bleibt, bereichern sich
die nationalen Eliten auf Kosten derer, die unter den Auswirkungen der
Rohstoffförderung am stärksten zu leiden haben. Schließlich wandern die
Unternehmensgewinne ins Ausland ab, was Investitionen in eine
Diversifizierung der rohstoffzentrierten Wirtschaftsstrukturen
verhindert.
Angesichts dieser Problematik besteht die
Herausforderung der Zukunft darin, an der Entstehung von
Rahmenbedingungen mitzuwirken, die die Rohstoffförderung im Südlichen
Afrika an drei Hauptbedingungen knüpft: gerechte Verteilung der Gewinne,
Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards und Achtung des
Mitbestimmungsrechtes der lokalen Bevölkerungen.