Spielzeugproduktion mit fairen Regeln. MISEREOR Lehrerforum 88

Egal ob Stoffpuppen, Modellautos oder Plastikmonster: Rund zwei Drittel der Spielwaren auf dem deutschen Markt stammen aus der Volksrepublik China, in der EU insgesamt sind es sogar 86 Prozent. Ausschlaggebend dafür ist ein einziger Grund: der Preis.

In den letzten Jahren geriet chinesisches Spielzeug immer wieder wegen gefährlicher Inhaltsstoffe und mangelhafter Produktsicherheit in die Schlagzeilen. Außerdem werfen Nichtregierungsorganisationen den Unternehmen der Branche seit langem menschenunwürdige Arbeitsbedingungen vor, die gegen internationale Sozialstandards und das chinesische Arbeitsgesetz verstoßen.

Wenn sich Spielzeug als Produkt wie jedes andere entpuppt, irritiert uns das, weil es unserer gewohnten Wahrnehmung widerspricht: Mit Spielzeug verbinden wir in erster Linie positive Erfahrungen. Wir denken an unser Lieblingsspielzeug, an Spieleabende im Familienkreis, an Rollenspiele, mit denen sich Kinder die Welt erschließen …

Zugleich bietet sich mit der Irritation die Chance für eine Auseinandersetzung mit Fragen, die unser Konsumverhalten insgesamt betreffen: Was ist mir wichtig, wenn ich etwas einkaufe? Hat mein eigenes Verhalten als Verbraucher*in Auswirkungen, die ich eigentlich nicht gutheiße? Was kann ich tun, um das zu vermeiden? Wer ist denn verantwortlich dafür, dass bei der Herstellung von Produkten zum Beispiel gegen grundlegende Arbeitsstandards verstoßen wird? Welche Verantwortung haben die beteiligten Unternehmen? Brauchen wir nicht verbindliche Regeln, damit Produkte menschenwürdig und umweltverträglich hergestellt werden – auch außerhalb Europas?

Das Thema „Spielzeug” bietet sich an, um sowohl in den sozialkundlichen Fächern als auch im Religions- oder Ethikunterricht Fragen von Gerechtigkeit, Menschenrechten und persönlicher Verantwortung zur Sprache zu bringen.

Bibliographische Angaben:
Kleinert, Uwe (2013): Spielzeugproduktion mit fairen Regeln (MISEREOR Lehrerforum; 88), unter Mitarbeit von Birte Kuttler, Redaktion: Rüdiger Horn, Lektorats- u. Redaktionsbüro, Olpe. Hg.: Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V. in Zusammenarbeit mit dem Lehrerarbeitskreis "Eine Welt" bei MISEREOR, Aachen, Mai 2013, 8 S.