Firmenumfrage: Deutsche Spielzeugfirmen schenken dem Thema „Sozialstandards in der Lieferkette” immer weniger Aufmerksamkeit

Wenig Neues zu vermelden gibt es nach der auch dieses Jahr wieder durchgeführten Umfrage unter Spielzeugfirmen, was sie denn unternehmen, um in ihrer Lieferkette die Einhaltung sozialer Mindeststandards zu gewährleisten. Die schon im letzten Jahr immer deutlicher zu Tage tretenden Trends halten an: Diesmal hat ein noch kleinerer Teil der insgesamt 256 angeschriebenen Unternehmen überhaupt geantwortet. Die Rücklaufquote ging damit von knapp 30 Prozent auf nur noch 23,4 Prozent zurück. Offenbar sehen die Unternehmen nach der Beendigung der Aktion fair spielt zum Jahresende 2012 immer weniger Veranlassung, Rechenschaft darüber abzulegen, wie sie Menschenrechte ins Spiel bringen. Der Anteil der auf der Firmenübersicht gelisteten Firmen, denen mit einer „Minus-Lupe” mangelhafte Auskunftsbereitschaft bescheinigt wird, ist in den letzten Jahren von rund 50 Prozent auf nunmehr zwei Drittel angestiegen.

Auch was die Firmen zu berichten haben, ist mehrheitlich nicht gerade Ausdruck großen Engagements: Nach wie können gerade einmal 45 Prozent der auf der Übersicht gelisteten Firmen ein oder mehrere Zertifikate ihrer Lieferanten in Fernost vorlegen, mit denen die Einhaltung des von der Branche Mitte der 90er Jahre beschlossenen Verhaltenkodexes nachgewiesen wird. Mehr als die Hälfte der Firmen ist offenbar untätig und sieht sich nicht in der Verantwortung, sich für die Einhaltung wenigstens der grundlegenden Sozialstandards in ihrer Lieferkette einzusetzen.

Wir bleiben bei unserer schon im letzten Jahr formulierten Einschätzung: Dem ICTI CARE-Prozess fehlt jedes Instrumentarium, um die Spielzeugfirmen wirksam einzubinden; ihnen werden keinerlei Verpflichtungen auferlegt, folglich gibt es auch keine Fortschrittskontrollen und keine Sanktionen. Unternehmerische Verantwortung für die Einhaltung der Arbeitsrechte in der Lieferkette bleibt damit nicht nur freiwillig, sondern auch vollkommen unverbindlich.

Und auch der deutsche Branchenverband hängt das Thema „Sozialstandards in der Lieferkette” immer tiefer: Während er auf seiner Website noch vor Jahresfrist wenigstens dem Anspruch nach mit einer eigenen Firmenliste darüber informierte, welches seiner Mitgliedsunternehmen den seit Juli 2008 eigentlich geforderten Nachweis menschenwürdiger Arbeitsbedingungen erbringt oder nicht, sucht man diese Übersicht heute vergebens.

Übrigens: Gerade einmal acht Unternehmen haben die diesmal zum ersten Mal gestellte Frage, ob sie bereit wären, über den ICTI CARE-Prozess hinauszugehen, beispielsweise durch Beteiligung an einer Multistakeholder-Initiative oder durch die Verpflichtung zur Zahlung existenzsichernder Löhne, mit Ja beantwortet.